Ratgeber

KI-Ghostwriting für Führungskräfte: Reden und Statements, die wirklich überzeugen

Wie KI beim Redenschreiben für Führungskräfte hilft, ohne Tonalität und Authentizität zu opfern. Mit konkretem Fall und klaren Schritten für den Redaktionsprozess.

Christian Gasche Aktualisiert: 10.07.2026

Ein Vorstandsvorsitzender steht vor 400 Mitarbeitern und liest eine Rede ab, die ihm eine KI geschrieben hat. Drei Sätze sind glatt formuliert und sagen nichts. Im Saal sinkt die Aufmerksamkeit, und keiner weiß so recht, warum. Falsch war die Rede nicht. Sie war nur niemandes Rede.

Genau darüber wird beim KI-Redenschreiben für Führungskräfte selten gesprochen. Die Frage ist nicht, ob ein Sprachmodell einen Redeentwurf ausspuckt. Das tut es zuverlässig. Die Frage ist, ob am Ende jemand am Pult steht, dem man zuhört.

Wo eine handwerklich saubere Rede trotzdem durchfällt

Eine Rede ist kein Text, den man liest. Sie ist ein Text, den man hört: von einer bestimmten Person, in einem bestimmten Raum, zu einem bestimmten Anlass. Ein Sprachmodell kennt den Anlass nur als Prompt. Es kennt nicht die Pause vor dem heiklen Satz, nicht die Vorliebe für kurze Sätze, nicht die Abneigung gegen lange Aufzählungen.

Die Bitkom-Erhebung zur KI-Nutzung in Unternehmen belegt, dass generative KI in der Kommunikation angekommen ist. Was sie nicht misst: ob die Ergebnisse jemandem gehören. Eine tadellose Rede ohne erkennbare Stimme klingt wie eine Rede. Und da liegt der Fehler.

Nach unserer Erfahrung scheitert die Rede nicht am fehlenden Entwurf, sondern an der fehlenden Korrektur. Die Maschine liefert. Was fehlt, ist das Ohr, das prüft, ob diese Worte zu diesem Mund passen.

Die Maschine liefert das Gerüst, verantworten muss es ein Mensch

Unser Prinzip bei SIGMA gilt auch hier: Die Maschine produziert einen Entwurf, der Mensch redigiert gegen einen Maßstab. Beim Redenschreiben ist dieser Maßstab greifbarer als sonst wo, denn er hat ein Gesicht und eine Stimme.

Der Maßstab besteht aus mehreren Schichten. Erstens die Tonalität der sprechenden Person: wie sie tatsächlich redet, nicht wie sie reden sollte. Zweitens der Anlass; eine Betriebsversammlung nach schlechten Zahlen verträgt keine Aufbruchsrhetorik. Drittens das, was nur dieser eine Redner sagen darf, weil er die Verantwortung trägt.

Wer diese Schichten nicht vorab definiert, bekommt von der KI einen Durchschnitt. Höflich, fehlerfrei, austauschbar. Das dritte Glied im Prozess, die Redaktion gegen einen Maßstab, überspringen die meisten. Dort entscheidet sich, ob die Rede trägt. Wie ein solcher Redaktionsprozess grundsätzlich aufgebaut ist, zeigt KI-Redaktionssystem für Agenturen: Wie Sie KI-Texte mit Prozess und Urteil steuern.

Ein konkreter Fall: die Rede nach der Hiobsbotschaft

Ein metallverarbeitender Mittelständler musste eine Standortschließung kommunizieren. Der erste KI-Entwurf war einwandfrei strukturiert und vollkommen unbrauchbar. Er enthielt den Satz, man wolle die Herausforderungen gemeinsam angehen. Sprachlich korrekt, menschlich eine Zumutung in einem Raum voller Leute, die gerade ihren Arbeitsplatz verlieren.

Wir haben den Entwurf nicht weggeworfen, sondern als Rohmaterial genommen. Die Redaktion strich jede Beschönigung, ergänzte konkrete Zahlen zum Sozialplan und baute die Rede um eine einzige Aussage herum, die der Vorstand wirklich vertreten konnte. Die KI lieferte das Gerüst. Das Urteil darüber, was gesagt werden durfte und was nicht, kam von Menschen, die den Kontext kannten.

Eine Rede, die von jedem Vorstand stammen könnte, stammt von keinem. Den Durchschnitt liefert die Maschine geschenkt. Die Arbeit fängt danach an.

Was uns dabei selbst danebengegangen ist

Ehrlich gesagt haben wir anfangs den falschen Hebel angesetzt. Wir glaubten, bessere Prompts würden das Problem lösen. Stimmt nur halb. Ein guter Prompt verbessert den Entwurf, ersetzt aber nicht das Ohr für die sprechende Person. Einmal haben wir einen Entwurf zu früh freigegeben, weil er sich flüssig las. Beim Probevortrag stolperte die Rednerin an drei Stellen über Formulierungen, die schlicht nicht ihre waren. Seitdem gehört der laute Probevortrag fest zu unserem Ablauf, vor jeder Freigabe.

Wer den Entwurfsprozess schärfen will, findet die Grundlagen in unserem Ratgeber zu Prompt-Engineering für die B2B-Unternehmenskommunikation. Ein Prompt ist der Anfang. Nicht das Ende.

Vier Schritte für den Redaktionsprozess

Erstens: ein Stimmprofil anlegen, bevor die erste Zeile entsteht. Notieren Sie zehn typische Formulierungen der Führungskraft, ihre Lieblingswörter und die Wörter, die sie nie benutzt. Dieses Profil ist Ihr Maßstab.

Zweitens: den KI-Entwurf als Rohmaterial behandeln, nie als Ergebnis. Streichen Sie zuerst alles, was nach niemandem klingt. Was übrig bleibt, ist meist weniger und besser.

Drittens: den lauten Probevortrag verpflichtend machen. Eine Rede, die auf dem Papier funktioniert, kann gesprochen scheitern. Erst die Stimme zeigt, ob der Text sitzt.

Viertens: die Verantwortung klären. Die EU-KI-Verordnung verlangt Transparenz bei KI-generierten Inhalten. Bei einer Rede ist die Frage einfacher und härter zugleich: Wer steht dafür gerade, was gesagt wurde? Die Antwort ist immer der Redner, nie die Maschine.

In der Buchhaltung verbucht eine KI eine Kleinausgabe still auf das falsche Konto, und niemand widerspricht. Bei einer Rede fällt der falsche Satz vor 400 Leuten auf, in Echtzeit. Genau deshalb ist die Korrektur hier nicht delegierbar.

Authentizität ist kein Stil, sondern eine Entscheidung

Authentizität lässt sich nicht prompten. Sie entsteht, wenn jemand entscheidet, was er sagen will und was nicht. Diese Entscheidung hat eine KI nicht zu treffen; sie kann es auch nicht. Keine Position, kein Risiko, kein Ruf, der auf dem Spiel steht.

Die Forschung am Fraunhofer-Institut IAIS zur Künstlichen Intelligenz betont die Rolle des Menschen bei der Beurteilung von KI-Ergebnissen. Beim Redenschreiben ist diese Rolle nicht abtretbar. Die Maschine liefert Varianten, mehr davon als ein einzelner Redenschreiber je entwerfen könnte. Sie sortiert Argumente, sie schlägt Formulierungen vor. Was sie nicht beurteilen kann: ob diese Worte zu diesem Menschen passen, an diesem Tag, vor diesem Publikum.

Das ist keine romantische Verklärung des Handwerks. Es ist eine nüchterne Arbeitsteilung. Produktion und Urteil sind zweierlei, und nur eines davon lässt sich automatisieren.

Die nächste Rede schreibt sich vielleicht zur Hälfte von selbst. Bleibt die Frage, wer die andere Hälfte verantwortet.

Häufige Fragen

Kann eine KI eine überzeugende Rede für Führungskräfte schreiben?

Eine KI erzeugt einen strukturierten, fehlerfreien Entwurf, aber keinen Text, der erkennbar von einer bestimmten Person stammt. Überzeugend wird eine Rede erst, wenn jemand den Entwurf gegen einen Maßstab redigiert, der die Tonalität, den Anlass und die persönliche Verantwortung der sprechenden Person abbildet.

Was unterscheidet professionelles KI-Redenschreiben vom einfachen Prompt?

Ein Prompt liefert einen Durchschnitt: höflich, fehlerfrei, austauschbar. Professionelles KI-Redenschreiben beginnt nach dem ersten Entwurf. Der entscheidende Schritt ist die Redaktion gegen einen definierten Stimmmaßstab, der festhält, wie die Person wirklich spricht, was der Anlass verträgt und was nur sie sagen darf.

Wie geht SIGMA Communication beim KI-Ghostwriting für Vorstände vor?

SIGMA nutzt den KI-Entwurf als Rohmaterial, nicht als Ergebnis. In einem Redaktionsschritt werden Beschönigungen gestrichen, konkrete Inhalte ergänzt und die Rede auf eine zentrale Aussage verdichtet, die der Vorstand glaubwürdig vertreten kann. Die Maschine produziert, der Mensch redigiert gegen einen Maßstab.

Warum klingen viele KI-Reden generisch?

Weil der Maßstab fehlt, gegen den redigiert wird. Sprachmodelle optimieren auf Sprachrichtigkeit, nicht auf Zugehörigkeit zu einer Person. Ohne definierten Stimmmaßstab und ohne einen Redaktionsschritt, der Durchschnittssätze durch konkrete, verantwortete Aussagen ersetzt, klingt jede KI-Rede wie jede andere.

Wer das geschrieben hat

Christian Gasche ist Journalist, Redenschreiber und Berater in Frankfurt am Main. Seit 1992 schreibt er für Unternehmen, Verbände und öffentliche Auftraggeber, seit 2002 unter eigenem Namen als SIGMA Communication. Heute richtet er Kommunikationsabteilungen darauf ein, KI in ihre redaktionellen Abläufe einzubauen, ohne die Verantwortung für das Ergebnis abzugeben. Mehr über Christian Gasche


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